

Zum dritten Mal in Folge reist die deutsche Nationalmannschaft mit einer schweren Enttäuschung im Gepäck und deutlich früher als selbst erwartet von einer Weltmeisterschaft nach Hause. Die Vorrunde hat die DFB-Elf zwar anders als 2018 und 2022 überstanden, doch mit der 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay ist in der Nacht von Montag auf Dienstag mitteleuropäischer Zeit das neueingeführte Sechzehntelfinale und damit die Runde der letzten 32 zur Endstation für das deutsche Team geworden.
Gegen defensiv eingestellte und gut organisierte Südamerikaner fand eine uninspirierte DFB-Auswahl trotz der erstmaligen Startelfnominierung des von vielen Fans geforderten Deniz Undav zu keinem Zeitpunkt die passenden Mittel und ließ auf der anderen Seite immer wieder gegnerische Chancen zu. Dass in der Verlängerung dem vermeintlichen 2:1 von Jonathan Tah mit einer zumindest sehr fragwürdigen VAR-Entscheidung die Anerkennung versagt wurde, sorgte zwar berechtigterweise für großen Ärger im deutschen Lager, kann eine wie schon im letzten Vorrundenspiel gegen Ecuador (1:2) ganz schwache Leistung aber nicht übertünchen.
Wenig überraschend rückte schon kurz nach dem Scheitern Bundestrainer Julian Nagelsmann in den Fokus, der mit seiner Aussage unmittelbar nach dem Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM 2024, in zwei Jahren Weltmeister werden zu wollen, die Erwartungen hochgeschraubt hat, sich freilich gerade in den vergangenen Monaten mit einigen Aktionen und Entscheidungen angreifbar gemacht hat.
Die Rückkehr von Manuel Neuer ins DFB-Tor hat für reichlich Aufsehen und Unruhe gesorgt, sich sportlich aber nicht ausgezahlt. Der Verzicht auf einen zweiten Rechtsverteidiger im Kader rächte sich schon im zweiten Gruppenspiel gegen die Elfenbeinküste, als Joshua Kimmich auf dieser Position spürbar überfordert war. Und sowohl gegen Ecuador als auch gegen Paraguay hätten wohl nicht wenige Fans gerne einen unbekümmerten Said El Mala gesehen, der mit einer einzigen Aktion die Begegnungen in die richtige Richtung hätte lenken können, von Nagelsmann aber gar nicht berufen wurde.
„Ich möchte weitermachen. Ich stehe bereit. Wenn der DFB das möchte, bereite ich sehr gerne die EM und die Nations League vor. Wenn sie es nicht möchten, dann müssen sie es mir sagen“, will Nagelsmann seine Arbeit fortsetzen und nicht die Brocken von sich aus hinwerfen. Wie die DFB-Verantwortlichen um Sportdirektor Rudi Völler entscheiden, bleibt abzuwarten. Dass es sich nach den verkorksten WM-Endrunden 2018 und 2022 aber als falsch erwiesen hat, an Joachim Löw bzw. Hans-Dieter Flick festzuhalten, dürfte in die Überlegungen aber zumindest miteinfließen.
Angesichts dessen, dass Nagelsmann schwer angezählt ist, scheint ein Neustart in der vorhandenen Konstellation nur schwer möglich. Einen passenden Nachfolger zu finden, wäre aber vermutlich auch nicht ohne Weiteres möglich – es sei denn, der als TV-Experte bei der WM weilende und ansonsten als Global Head of Soccer für Red Bull tätige Jürgen Klopp signalisiert die Bereitschaft zur Rückkehr auf die Trainerbank.
Über den Trainer hinaus wird sich ein gewisser Umbruch zudem kaum vermeiden lassen. Neuer ohnehin, aber auch Akteure wie Antonio Rüdiger, Leon Goretzka, Leroy Sané und auch Kapitän Kimmich dürften hinterfragt werden.







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