
Für die Stimmung bei Weltmeisterschaften ist es in der Regel von enormer Bedeutung, wie sich der Gastgeber präsentiert und wie lange im Austragungsland die Träume vom ganz großen Wurf am Leben bleiben. Die WM 2026 bietet in dieser Hinsicht beste Voraussetzungen, hat in der Nacht auf Donnerstag doch nach Kanada (1:0 gegen Südafrika) und Mexiko (2:0 gegen Ecuador) mit den USA auch der dritte Gastgeber das Achtelfinale erreicht – was noch wichtiger ist, weil fortan mit Ausnahme der Partie zwischen Mexiko und England sämtliche Begegnungen nur noch auf US-Boden ausgetragen werden.
Gegen Bosnien-Herzegowina setzte sich die US-Auswahl am Ende mit 2:0 durch, doch die Freude über das Weiterkommen war nicht ungetrübt. Grund dafür war Folarin Balogun, der die USA zunächst kurz vor der Pause mit seinem bereits dritten Turniertor in Führung brachte, allerdings dann nach gut einer Stunde in Folge eines VAR-Eingriffs mit Rot vom Feld musste. Balogun hatte Tarik Muharemovic unglücklich am Knöchel erwischt und verpasst nun mindestens das Achtelfinal-Duell mit Belgien. Die letzten Zweifel daran, dass trotz Unterzahl der Sprung unter die letzten 16 gelingen würde, beseitigte Malik Tillmann mit seinem sehenswerten Freistoßtor in der 82. Minute zum 2:0-Endstand.
Während bereits am Samstagabend das Achtelfinale beginnt, ist für die deutsche Nationalmannschaft das Turnier längst beendet. Die Spieler haben sich in unterschiedlichste Richtungen zerstreut und erst einmal in den Urlaub verabschiedet, bevor für die meisten in rund drei Wochen die Vorbereitung auf die neue Saison beginnt.
Bundestrainer Julian Nagelsmann ist am Mittwoch in München gelandet, ohne sich nach seinen Aussagen unmittelbar nach der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Paraguay weiter zu seiner Zukunft zu äußern. Dass der 38-Jährige weiterhin für die DFB-Elf verantwortlich sein wird, gilt mittlerweile aber als recht unwahrscheinlich. Vielmehr ist beim DFB nach der nächsten schweren Enttäuschung ein kompletter Neuanfang nicht ausgeschlossen, der neben dem sicherlich nicht alleine verantwortlichen Bundestrainer alle Verantwortlichen von Präsident Bernd Neuendorf über Geschäftsführer Andreas Rettig bis zu Sportdirektor Rudi Völler erwischen könnte, wobei letzterer aufgrund seines Standings kaum entlassen, sondern im Fall der Fälle einen Rücktritt nahegelegt bekommen dürfte.
Die meisten Diskussionen gibt es aber um Nagelsmann, der sich mit seiner Kadernominierung, seinen Aufstellungen und vor allem auch mit der internen und externen Kommunikation angreifbar gemacht hat. Schwer vorstellbar, dass der DFB mit Nagelsmann trotz eines bis 2028 laufenden Vertrages in die Zukunft gehen wird, auch wenn eine Trennung dem Vernehmen nach etwa sieben Millionen Euro kosten würde.
Als Nachfolger heiß gehandelt wird Jürgen Klopp, der die WM 2026 derzeit als TV-Experte begleitet und zwischen den Zeilen schon durchklingen hat lassen, sich das Amt des Bundestrainers vorstellen zu können. Der 59-Jährige ist zwar bis 2029 als Head of Global Soccer an den Red-Bull-Konzern gebunden, soll sich aber laut kicker zusichern haben lassen, aussteigen zu können, sollte der DFB rufen. Gut möglich, dass dieser Ruf schon zeitnah erfolgt, gibt es rund um die Nationalmannschaft doch vieles aufzuarbeiten und neu zu justieren, ohne dass noch Zeit verloren werden sollte.







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