
Bis zur 84. Spielminute sah es am Mittwochabend danach aus, dass es im Finale der WM 2026 zu einer Neuauflage des Endspiels der EURO 2024 kommen würde, das Spanien mit 2:1 gegen England für sich entscheiden konnte. Doch während die Iberer nach ihrem tags zuvor errungenen 2:0-Sieg über Frankreich entspannte Zuschauer waren, gab England den Finaleinzug noch aus der Hand und verlor gegen Argentinien durch Tore von Enzo Fernandez in der 85. und Lautaro Martinez in der zweiten Minuten der Nachspielzeit noch mit 1:2 – beide Treffer vorbereitet von Lionel Messi, der nun am Sonntag in seinem vermutlich letzten Länderspiel sein drittes WM-Finale bestreitet.
Diese Spielentwicklung freilich kam nicht aus dem Nichts. Nach dem Führungstor durch Anthony Gordon in der 55. Minute, das bereits in einer eigentlich guten Phase Argentiniens eher überraschend fiel, agierte England viel zu passiv und schaffte kaum mehr Entlastung, was sich in reihenweise guten Torchancen der Albiceleste niederschlug, die ein starker Jordan Pickford im englischen Tor im Verbund mit dem Pfosten letztlich nicht alle zunichte machen konnte.
Seinen Anteil daran, dass die Three Lions das Spiel nach vorne nahezu gänzlich einstellten, hatte sicherlich auch Trainer Thomas Tuchel, der mit Ezri Konsa, Dan Burn und Nico O’Reilly drei Defensivspieler einwechselte und dafür unter anderem Torschütze Gordon vom Feld holte. Nur noch zwölf Prozent Ballbesitz nach dem Führungstreffer waren eine desaströse Bilanz, die aus Sicht von Tuchel aber nicht taktisch oder personell begründet war: „Natürlich wollten wir ein zweites Tor erzielen, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ein offensiver Wechsel helfen würde. Wir blieben im 4-4-2, wurden aber immer passiver, konnten keine Bälle gewinnen und den Ball nicht halten. Daher glaube ich nicht, dass es ein strukturelles Problem war.“
Letztlich nahm Tuchel dann aber doch eine Anpassung der Grundformation vor, die allerdings auch nicht wie erhofft funktionierte: „Wir haben uns für eine Fünferkette entschieden, weil die Lücken zu groß waren, sie jeden Kopfball gewonnen und immer wieder Flanken geschlagen haben. Wir wollten die Lücken im Innenraum schließen und in der Luft stark sein.“
Tatsächlich aber war die Wucht Argentiniens aber schlichtweg zu enorm, wie auch Englands Kapitän Harry Kane ohne Umschweife einräumte: „Wir haben so, so viele Flanken, Chancen und Torschüsse zugelassen. Wir waren nah dran, konnten aber nach unserem Tor das Niveau nicht halten.“
Trotz der in der Öffentlichkeit und von einigen Experten geübten Kritik an Tuchel soll der 52-Jährige als englischer Nationaltrainer im Amt bleiben und mit den Three Lions auch die Heim-EM 2028 in Angriff nehmen.
Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, soll Tuchel auch weiterhin das Vertrauen des Verbandes FA genießen und seinen bis 2028 laufenden Vertrag erfüllen. FA-Geschäftsführer Mark Bullingham legte sich darauf direkt nach dem Halbfinal-Aus zwar noch nicht fest, ließ aber durchblicken, mit dem Auftreten zufrieden gewesen zu sein: „Die Spieler und Thomas haben heute alles gegeben und das Team, die Trainer und der Staff hätten nicht härter während des Turniers arbeiten können.“ Eine Aussage, die nicht nach einer bevorstehenden Trennung klingt.







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