Erst Tabellenführung, dann Abstieg – diese Teams schafften das Kunststück

Im Laufe einer Saison gibt es zumeist mehrere Teams, die Platz 1 in der Tabelle zumindest einen Spieltag innehaben. In den seltensten Fällen bekommt eine dieser Mannschaften in der restlichen Spielzeit Probleme und muss gegen den Abstieg spielen. Nur sechs Vereine schafften das Kunststück, in einer Saison Tabellenführer zu sein und am Ende abzusteigen.

Die Mutter aller Tabellenfühurngs-Absteiger ist Rot-Weiss Essen. Der Klub aus dem Ruhrgebiet, der inzwischen in der Regionalliga herumdümpelt, spielte sieben Jahre der Vereinshistorie in der Bundesliga. Eine Saison sollte dabei besonders im Gedächtnis bleiben: Die Spielzeit 1970/71. Nach einem überragenden 4:0-Erfolg über den 1. FC Kaiserslautern übernimmt RWE nach dem 3. Spieltag die Tabellenführung. Auch eine Woche später überzeugten die Roten – und zwar beim FC Bayern. Die Essener erkämpften sich ein 2:2 und verteidigten somit auch Platz 1 vor Hertha BSC und Borussia Mönchengladbach. Doch im Laufe der Saison geht nicht mehr viel. Eine Serie von 13 Spielen ohne Sieg (drei Punkte) kostete RWE am Ende den Klassenerhalt. Als Tabellenletzter (vier Punkte Rückstand) ging es für die Ruhrpott-Kicker geradewegs in die zweitklassige Regionalliga.

Die Rekord-Saison von Hansa Rostock

Lange Jahre danach galt die Tabellenführung an einem Spieltag als Markenzeichen für den sicheren Klassenerhalt. Erst über 20 Saisons später schaffte es wieder ein Team, Platz 1 zu erobern und anschließend abzusteigen. Es war Hansa Rostock in der Saison 1991/92. Diese Spielzeit war in jeder Hinsicht eine besondere. Nach der Wiedervereinigung war es nämlich die erste Saison, in der Mannschaften aus Ost und West zusammen in der Bundesliga kickten. Aufgrund der Zusammenlegung wurde die Liga für ein Jahr auf 20 Teams aufgestockt.

Eine von zwei Ost-Mannschaften war der FC Hansa. Und die Rostocker legten in der neuen Liga gleich los wie die Feuerwehr. Vier Siege aus den ersten fünf Spielen verhalfen den Hanseaten zur Tabellenführung. Selbst nach zwei Remis in Wattenscheid (0:0) und gegen Leverkusen (2:2) reichte es noch für den Platz an der Sonne. Insgesamt verbrachte Rostock satte fünf Spieltage auf Rang 1. So viel vorweggenommen: Kein anderes Team, das hinterher noch abstieg, stand länger ganz oben. Auch ein Trainerwechsel von Uwe Reinders zu Erich Rutemöller konnte das Sinken der Hanse-Kogge im Laufe der Saison nicht verhindern. Am Ende stieg das Team aus Mecklenburg-Vorpommern mit einem Punkt Rückstand als Tabellenachtzehnter ab. Kurios: Rostock (fünf Spieltage) hatte in dieser Saison länger die Tabellenführung inne als der spätere Meister VfB Stuttgart (drei Spieltage).

Auch Karlsruhe und Fohlen erst hui, dann pfui

Knapper hätte es nicht sein können: Erst am letzten Spieltag der Saison 1997/98 entschied sich, dass der Karlsruher SC den bitteren Gang in die 2. Bundesliga antreten muss. Und das, obwohl die Mannen aus dem Wildpark zwei Spieltage im Laufe der Saison an der Tabellenspitze standen. Denn mit sieben Punkten aus drei Spielen hatte der KSC einen echten Superstart hingelegt. So kam es nicht von ungefähr, dass die Badener am 3. Spieltag noch ganz oben in der Tabelle standen. Doch danach lieferte Karlsruhe nur noch selten. Und so kam es, dass der KSC durch eine 2:4-Niederlage in Rostock am letzten Spieltag doch noch auf den ungeliebten 16. Rang abrutschte.

Solche Geschichten schreibt nur der Fußball. Borussia Mönchengladbach, dass 1997/98 noch von der Pleite der Karlsruher profitierte und sich dadurch rettete, legte in der Folgesaison eine ähnliche Performance wie der KSC hin. Zu Beginn der Spielzeit noch Tabellenführer, musste die Fohlenelf nach 34 Spielen einsehen, dass es nicht für die 1. Bundesliga reichte. Und das ziemlich deutlich! Denn die Borussia hatte am Saisonende satte 16 Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Seit dem 9. Spieltag belegten die Fohlen zudem immer den letzten Tabellenplatz.

Ebenso einen Spieltag an der Spitze stand Arminia Bielefeld in der Saison 2002/03. Nach einem 3:0 zum Auftakt über Werder Bremen grüßten die Arminen von ganz oben. Mit 14 Pleiten wiesen die Bielefelder relativ wenig Niederlagen auf. Doch die mit acht Erfolge gelangen ihnen auch relativ wenig Siege. Somit stieg die Mannschaft von Trainer Benno Möhlmann am Saisonende ab. Kurios: Trotz der unbefriedigenden Ergebnisse verlor Möhlmann seinen Job nicht. Mit 1213 Tagen Amtszeit ist der heute 64-Jährige längster Arminia-Coach des neuen Jahrtausends.

Paderborner Höhenflug an Deutschlands Spitze

Es war die Saison 2013/14: Mit 62 Zählern verabschiedete sich der SC Paderborn aus der 2. Bundesliga. Und zwar nach oben! Erstmals in der Vereinsgeschichte hat der SCP den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Und das vollkommen überraschend. Andre Breitenreiter hatte aus einem mittelmäßigen Team eine echte Spitzenmannschaft geformt. Nur wenige Monate später erklommen die Ostwestfalen endgültig den deutschen Fußballthron. Nach einem 2:0 über Hannover 96 sprangen die Paderborner am 4. Spieltag der Bundesliga-Saison 2014/15 an die Spitze. Mit zwei Remis und zwei Siegen profitierte der Aufsteiger auch vom schwachen Start der Konkurrenz. Der FC Bayern rangierte mit ebenfalls acht Punkte auf Platz 4, Borussia Dortmund hatte zu diesem Zeitpunkt auch nur sechs Zähler auf dem Konto.

Trotz des guten Starts blieb es für den SCP die bislang einzige Saison im deutschen Oberhaus des Fußballs. Nur 23 Punkte holten die Blau-Schwarzen in den verbleibenden 30 Saisonspielen. Trotz des Rekordtors von Moritz Stoppelkamp (82,3 Meter, weitestes Tor der Bundesliga-Geschichte) und der Möglichkeit am letzten Spieltag noch von den gefährdeten Plätzen zu springen, schaffte Paderborn nicht den Klassenerhalt. Somit ist der SCP der letzte Klub, der es „schaffte“, nach einer Tabellenführung noch abzusteigen.

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